Landung von Balluhm – Drachenzauber

Ich konnte es nicht glauben, als ich den kleinen Taschendrachen zwischen den Tassen mit Milchkaffee sah. Das war doch Balluhm, der da gelandet war, der kleine Drache aus der Geschichte Drachenzauber aus „Drachenflüge“. Sofort war mir ein Teil der Reise von Kalor, dem Zauberer und Ralene, des Rabens, Perry, dem Peryton und dem Drachen Balluhm wieder präsent. Kalor, der auf der Suche nach Drachenwürze für das Gedächtnisbrot war, aus Versehen, Balluhm verkleinert hatte und nun mit Widrigkeiten zu kämpfen hatte …

Sie preschten durch die Landschaft, geführt von Ralene, die den Überblick von oben hatte und die Richtung vorgab. Ein bedrohliches Summen und Brummen waberte plötzlich durch die Luft. Balluhm, der sich in dem ausladenden Kopfschmuck des Perytons festklammerte, drehte sich neugierig um und rief warnend: „Ein Hornissenschwarm verfolgt uns. Achtung!“ Perry reagierte sofort, als er eine Höhle in einem Felsen bemerkte. Mit wütenden, schwärmenden Hornissen, war nicht zu spaßen. Mit gesenktem Kopf quetschte er sich in den niedrigen Eingang, doch sein Geweih war zu sperrig. „Schnell, dreh dich um und kriech rückwärts hinein“, befahl Balluhm, der erfasst hatte, dass das Geweih in dieser Richtung eine gewisse Flexibilität aufwies. Darüber, wie sie Perry wieder aus der Höhle bekommen sollten, würde er sich später Gedanken machen. Bevor er Kalor warnen konnte, stieß dieser sich den Kopf an dem Felsen und wurde von Perrys Rücken geworfen. Mit einem lauten, empörten Aufschrei landete er hart auf dem felsigen Boden. Der Zauberer kroch klagend in die Höhle hinein. „Wo ist Ralene?“ „Die ist weiter geflogen. Sie findet uns sicher gleich“, beruhigte Balluhm den Alten. Doch Kalor jammerte: „Oh jemine, hoffentlich passiert ihr nichts. Sie ist allergisch gegen Wespenstiche.“ Gebückt humpelte er zum Höhleneingang und schaute hinaus, schon hörte er das krächzende Rufen des Raben. „Ralene, hier sind wir, hier!“, schrie er ihr entgegen. Auch die Hornissen schienen, den Ruf gehört zu haben und verfolgten sie. Das Brummen der Hornissen übertönte ihr panischen Hilferufe. Ihre Flügel schneller schlugen und sie gewann Abstand zu den Verfolgern. Im Sturzflug ließ sie sich in den Höhleneingang fallen und der Eingang verschloss sich hinter ihr. Es wurde stockdunkel. Balluhm stieß einen Feuerstoß aus, um das Dunkel der Höhle zu erhellen, das kleine Feuerchen hatte nur geringe Wirkung. Kurz sah er den Magier, wie er den rauchenden Zauberstab verstaute. „Der Verschlusszauber hat bestens funktioniert“, meinte Kalor zufrieden, „hoffentlich fällt mir der Zauberspruch für die Öffnung der Höhle später ein.“ „Wieviel Zeit verbleibt noch, bis der Zauber nicht mehr rückgängig gemacht werden kann und ich Taschendrache bleibe?“, fragte er panisch. „Wenig“, antworteten die anderen gemeinsam. „Werden uns die Hornissen draußen erwarten? Oder? Was meint ihr?“, fragte Balluhm nervös. Bevor jemand eine Antwort geben konnte, fuhr er fort: „Kalor, öffne den Höhleneingang etwas. Ich habe eine Idee.“ Balluhm ließ ein winziges Feuerchen aus seinem Drachenmaul schießen. Der Magier seufzte leise und dachte angestrengt nach. Mit zittriger Stimme flüsterte er: „Höhle dicht, mache Licht.“ Es blieb dunkel. „Hm, das ist wohl nicht der richtige Spruch.“ Der Zauberer überlegte und sprach mit kräftigerer Stimme: „Höhle dicht, es werde Licht!“ In der Wand nach draußen bildete sich ein winziges Loch. Beängstigendes Brummen ertönte. Eine Hornisse zwängte sich hinein. Sie hatte nur ein einziges Facettenauge mitten auf dem Kopf.

Balluhm schickte eine Flamme durch die kleine Öffnung. Die Hornisse brannte, es stank nach verschmortem Chitin Panzer. Mittlerweile hatte Kalor die Höhlenöffnung durch die Anwendung alternativer Zaubersprüche soweit vergrößert, dass sie beobachten konnten, wie das Feuer von einer Hornisse auf die andere übertragen wurde, die Körper wirkten wie eine Lunte. Es waren tausende. Keine blieb lebend zurück. „Kleine Ursache, große Wirkung.“ Stolz kletterte der kleine Drache aus dem Unterschlupf heraus. Kalor bestätigte froh: „Nicht immer muss es ein großes Feuer sein“, und folgte Balluhm in die Rauchwolke vor der Höhle. „Wenn mich das Gefühl nicht trügt, steckt Humpf hinter den Hornissen mit nur einem Auge.“ Ralene flog in den Dunst, der sich langsam auflöste. Perry warf den Kopf hin und her und versuchte den anderen zu folgen, doch das sperrige Geweih behinderte ihn, die Höhle zu verlassen. Unter Ächzen und Stöhnen befreite er sich schließlich, auf Kosten einer Verzweigung des Geweihs. „Los, Freunde, aufsitzen“, befahl er und drängte zum Aufbruch, „wir müssen uns beeilen.“ „Halt, noch nicht.“ Balluhm hatte einen Teppich aus Fliegenpilzen entdeckt. Doch Kalor widersprach: „Nein, für ein Picknick haben wir keine Zeit.“ Der Drache ignorierte den Einwurf, sprang in die Pilze hinein und fraß so viel und so schnell er konnte. „Ich bin soweit. Perry, spieß noch einige auf, als Vorrat für meine Feuerkraft, bitte.“ Mit dem gesenkten Kopf fuhr Perry durch das Feld mit Pilzen. Die abgebrochenen Geweihgabeln halfen dabei, eine große Anzahl aufzuspießen. Schließlich nahm Balluhm seinen Platz ein, und Kalor krallte sich auf Perrys Rücken sich fest.

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Über Suntje

Autor und Bürotante