Sabine Hartmann

Als wir uns beim Abendessen unterhielten, was Leserinnen und Leser wohl gern über mich als Autorin wissen würden, sagte mein jüngerer Sohn Stefan: „Schreib doch bei Wolfgang Hohlbein ab. Über den steht in allen Büchern das gleiche:´… lebt mit seiner Frau, sechs Kindern sowie einer stattlichen Anzahl von Katzen in …´ – nur bei uns eben ohne Katzen.“
„Soll das heißen, dass du in jedem Fall erwähnt werden möchtest?“
„Klar, ich tippe ja auch manchmal was für dich und lese Korrektur.“
Stimmt, wenn ich einen neuen Text oder ein neues Kapitel anfange, schreibe ich die ersten Seiten mit der Hand, weil ich mich dann in beliebiger Stellung irgendwo hinlümmeln und bequem formulieren, streichen und umschreiben kann. Wenn ich Glück habe, tippt er mir diese ersten Zeilen. Anschließend kann ich korrigieren und danach gleich weiter tippen. Außerdem liest er ganz am Ende noch einmal den gesamten Text und findet alle Stellen, an denen der Leser noch Informationen braucht, weil er mit den Personen, dem Fall oder der Gegend nicht so vertraut ist wie ich.
Er muss also in jedem Fall erwähnt werden.
Und dann ist da noch mein Mann. Er hat die Angewohnheit, nach dem ersten und auch nach dem fünften Lesen diese schrecklich präzisen Fragen zu stellen.
„Ich verstehe nicht, wie A von X nach Y gekommen ist“ oder „Warum macht F das? Das ist gar nicht logisch.“
Danach muss ich meist noch eine ganze Menge an meinen Texten arbeiten. Nicht zu vergessen sind auch die stundenlangen Spaziergänge durch die Feldmark oder unsere Buchenwälder, bei denen wir am Plot feilen, bis die Story funktioniert.
Also muss auch mein Mann unbedingt erwähnt werden.
Schließlich gibt es noch meinen älteren Sohn Andreas, der selbst Geschichten schreibt und recht wortkarg hilft. „Geht so“ heißt: taugt gar nichts, „der Anfang ist gut“ bedeutet: langweilige Story und „ja“ sagt mir: kannst du abschicken.
Auch er muss also unbedingt erwähnt werden.
Okay! So hätten wir folgenden Text:
Sabine Hartmann, geboren und aufgewachsen in Berlin, lebt mit ihrem Mann und zwei erwachsenen Söhnen in einem Dorf in Niedersachsen. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Schulleiterin. Sie schreibt schon seit vielen Jahren, ist Mitglied bei den Mörderischen Schwestern und im Syndikat.
In ihrer Freizeit engagiert sie sich in der Lese- und Schreibförderung (Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW – www.ajum.de), leitet einen Autorenkreis und bietet Schreibwerkstätten an.
Sie hat Kriminalromane, Kriminalkurzgeschichten und weitere Texte in diversen Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht und Auszeichnungen erhalten.
Bei C.W. Niemeyer sind die Weserberglandkrimis „Ausweichmanöver“ und „Nur ein Katzensprung“ sowie die Hildesheim-Krimis „Mords Idylle“ und „Sechs, Sieben, Cache“, „Abgeräumt oder Niemand lügt für sich allein“, „Wutbürger“ und „Knochen der Weisen“ sowie die Jugendkrimis „Eiskalt verzockt“ und  „Katzenmelodie“ erschienen. Außerdem die Fantasyromane „Axlung“ und „Lavadrachen“.